Hochsensibel - und nun? Vom Aha-Moment zur Superkraft
- Stefanie Esterhammer

- 1. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Feb.

Du hast vielleicht inzwischen einen Test gemacht, um festzustellen, ob du hochsensibel bist. Oder es waren sogar mehrere, nur um sicherzugehen. Und jetzt? Vielleicht spürst du intuitiv ein Gefühl der Erleichterung. Endlich hast du einen Namen für das, weshalb du so "anders tickst". Oder du sitzt da mit dieser Erkenntnis, aber irgendwie passiert ... nichts. Okay, du weißt es jetzt. Aber was bedeutet das eigentlich für dich?
Solltest du dir diese Frage stellen, bist du nicht allein.
Warum diese Distanz so häufig entsteht
Seit ich über meine Hochsensibilität relativ offen spreche, bin ich schon oft Menschen begegnet, denen es wie dir geht. Das ist besonders oft bei Frauen 40+ der Fall, die jahrzehntelang in Beruf und Familie einfach "funktioniert" haben. Sie haben gelernt, ihre Bedürfnisse herunterzuschlucken, sich anzupassen, stark zu sein. Bei manchen reicht es noch weiter zurück bis in die Kindheit. Ihnen wurde schon damals gesagt, sie sollten sich doch nicht so anstellen. Und jetzt plötzlich soll genau das, wofür sie sich jahrelang geschämt haben, eine Stärke sein? Das fühlt sich erstmal seltsam an.
Meine Reise: Vom Aha-Moment zur Selbstakzeptanz
Bei mir überwog damals das Gefühl der Erleichterung. Ich las einen Artikel in einer Zeitschrift über Hochsensibilität und dachte nur noch: "Wow, die meinen mich!"
Ich fühlte mich komplett gesehen und verstanden. Endlich hatte ich einen Begriff für meine Andersartigkeit und konnte konkret danach recherchieren. Da ich Themen gerne in der Tiefe begreife, bestellte ich mir ruckzuck einiges an Lektüre. Beim Lesen folgte ein Aha-Moment auf den anderen. Nach und nach wurde ich immer gnädiger mit mir selbst. Wo vorher ein "Was stimmt mit mir nicht?" war, hatte ich endlich Erklärungen. Über die Jahre habe ich es geschafft, in überreizenden Situationen teilweise über mich schmunzeln zu müssen. Falls das nicht der Fall ist, kenne ich inzwischen einige Tools und Hilfsmittel, die ich einsetzen kann. Das war natürlich nicht von heute auf morgen so. Aber heute überwiegen bei weitem die Momente, in denen ich meine Sensibilität genieße. Es gibt unzählige Situationen, in denen ich mehr sehe, fühle oder intuitiv erfasse, als mein Umfeld. Und das ist doch ein echtes Geschenk. Oder nicht?
Dein nächster Schritt: Vom Wissen ins Handeln
Wie geht es aber nun für dich weiter? Das Wissen über deine Hochsensibilität verändert allein selbstverständlich kaum etwas. Du darfst aktiv werden und dich mit dem Thema befassen. In welcher Form du das tust, ist komplett von dir und deinem Typ abhängig. Es gibt haufenweise Bücher, Podcasts, Material auf YouTube und Instagram und natürlich auch Mentoring- und Coaching-Angebote dazu. Aber ein erster Schritt kann sein, deine Perspektive und deinen Fokus zu verändern. Wie wäre es, wenn du den Gedanken von "Was stimmt mit mir nicht?" veränderst in "Ich habe ein Upgrade für meine Sinne erhalten." Deine Sensibilität ist keine Krankheit, kein Defizit. Sie ist einfach eine ganz besondere Art und Weise, wie du die Welt wahrnimmst.
Klingt das zu einfach? Zu optimistisch? Ich verstehe das. Aber lass mich dir zeigen, wie sich dieser Perspektivwechsel ganz konkret im Alltag bemerkbar machen kann.
Hochsensibilität im Alltag: Wo zeigt sie sich?
Achte doch in nächster Zeit in deinem Alltag mal darauf, wo sich deine sensible Seite zeigt. Hier ein paar Beispiele, um es konkreter zu machen:
Kannst du beim Betreten eines Raumes die Stimmungen wahrnehmen? Das kann z.B. im Beruf sehr wertvoll sein.
Welche Details nimmst du wahr, die andere übersehen? Sind es tierische Begegnungen bei einem Spaziergang im Wald oder Details / Fehler in einer PowerPoint im Job?
Hörst du in Gesprächen auch die Dinge, die nicht gesagt werden? Damit meine ich unter anderem Zwischentöne oder auch drohende Konflikte.
Kannst du tiefe emotionale Verbindungen aufbauen? Vielleicht hast du lieber nur ein paar innige, gute Freunde anstelle eines riesigen Bekanntenkreises.
Wie kreativ oder fantasievoll bist du? Liebst du es beispielsweise, alle möglichen DIYs auszuprobieren, zu dekorieren oder dir Geschichten auszudenken?

Das sind nur ein paar Situationen, wie sie in deinem Leben typisch sein könnten. Aber spürst du, wie sich dein Blick verändert? Plötzlich sind es keine Schwächen mehr, sondern Fähigkeiten. Keine Defizite, sondern Geschenke.
Und es muss längst nicht alles zutreffen. Nicht jede Hochsensibilität ist gleich stark ausgeprägt. Außerdem gibt es noch weitere Themen, die bei manchen Hochsensiblen zusätzlich auftreten. Aber dazu komme ich in einem späteren Artikel.
Erkundungsfragen: Entdecke deine Stärken
Nun möchte ich dich noch zu etwas einladen. Wie wäre es, wenn du für dich ein paar Fragen reflektierst? Wenn du magst, könntest du mit den folgenden starten:
Wo habe ich besonders feine Sensoren, die andere nicht haben?
Welche meiner vermeintlichen "Schwächen" könnten eigentlich Stärken sein?
Wie kann ich das konkret nutzen - privat und beruflich?
Was würde sich ändern, wenn ich das als Geschenk sehe und nicht als Last?
In welchen konkreten Situationen hat mir meine Hochsensibilität geholfen?

Warum Journaling so kraftvoll ist
Also schnapp dir dein Notizbuch, einen Stift und nimm dir 15-20 Minuten Zeit ohne Ablenkung und ohne Handy. Beantworte die Fragen handschriftlich. Wichtig dabei: Schreib einfach drauflos, ohne nachzudenken oder zu korrigieren. Lass die Worte einfach zu Papier fließen, auch wenn das anfangs nicht so strukturiert wirkt.
Warum handschriftlich? Weil du damit deinen Verstand ein wenig austricksen kannst. Die Hand-Gehirn-Verbindung lässt dich intuitiver schreiben, ohne dass dein innerer Kritiker sofort alles bewertet. Nach ein paar Minuten kommst du in einen Flow – und plötzlich tauchen Gedanken auf, die tiefer liegen. Diese Gedanken kommen aus deinem Unterbewusstsein.
Es ist ein Prozess - und das ist okay
Ich will ganz ehrlich zu dir sein. Das alles geht nicht, wie wenn man einen Schalter umlegt. Es ist definitiv ein Prozess. Früher konnte ich mit dieser Form der Reflexion selbst nicht viel anfangen. Es fühlte sich unbequem an, den ganzen "Kram" auch noch handschriftlich zu notieren. Aber ich habe es zumindest versucht. Und darum bitte ich auch dich, wenn du dich selbst (wieder) besser kennenlernen möchtest. Das mag eine Weile dauern. Aber jeder einzelne Gedanke, den du aus deinem Unterbewusstsein so festhalten kannst, ist es meiner Ansicht nach wert. Ich wünsche dir wundervolle Erkenntnisse dabei.
Und sollte das nicht dein Weg sein, ist das selbstverständlich auch okay. Du darfst deinen eigenen Weg finden, deine Hochsensibilität zu entdecken und lieben zu lernen.
Wenn du dir Unterstützung dabei wünschst, deine Hochsensibilität als Stärke zu leben, begleite ich dich sehr gerne auf diesem Weg: Mein Angebot
Und jetzt bist du dran: Ich freue mich sehr, wenn du einen Kommentar dalässt oder diesen Artikel bewertest! Verrate mir gerne: Auf welchem "Entdeckungs-Level" stehst du gerade? Hast du den Perspektivwechsel schon geschafft oder ringst du noch damit? Ich lese jeden Kommentar! 💛


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